Wundersames Westafrika

Straßenhändler in Mali

Mit dem, was in Mali und im Senegal gerade passiert ist und weiterhin passiert, hat wohl niemand wirklich gerechnet. Zumindest aus dem Senegal sind die Nachrichten tatsächlich gut. Seit Sonntagnacht hat das Land einen neuen Präsidenten: Macky Sall.

Das wäre nicht weiter erstaunlich, denn schon vor der Wahl waren viele Beobachter sicher, dass er die absolute Mehrheit erhält. Die Opposition hatte ihm schließlich ihre breite Unterstützung zugesagt, mit der er es laut Radio France Internationale auf 65,8 Prozent der Stimmen gebracht hat. Verwundert hat mich hingegen Wades Telefonanruf. Angeblich soll der scheidende Präsident Macky Sall noch am Wahlabend gratuliert haben (http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article2228659/Niederlage-fuer-Wade-Sall-ist-neuer-Praesident-im-Senegal.html). Ausgerechnet Abdoulaye Wade, jener greise Mann, der heftig über Macky herzog und kein gutes Haar an ihm ließ. Doch im letzten Moment muss ihm klar geworden sein: Er hat keine Chance und kann nicht auf seinem Chefsessel sitzen bleiben. Ein gutes Zeichen für die Demokratie – trotz des blutigen Wahlkampfs im Januar und Februar.

Ich hätte dabei sein sollen – bin es aber nicht gewesen. Noch immer sitze ich im Nachbarland Mali fest, das sich ebenso überraschend entwickelt hat – allerdings in eine ganz andere Richtung. Der Putsch vom vergangenen Mittwoch ist weiterhin das Gesprächsthema schlechthin. Jetzt sind es aber vor allem die Auswirkungen: Fünf Tage lang lag das ganze Land lahm, geschlossene Geschäfte, Tankstellen und Restaurants, Fremdenführer, die sich die Beine in den Bauch stehen. Das ist alles andere als gut. Gestern Abend hatte zum ersten Mal das kleine Restaurant um die Ecke wieder geöffnet, wo der Wirt vergeblich auf Kundschaft gewartet hat – trotz aufgehobener Ausgangssperre.

Immerhin ist es auf den Straßen ruhig. In meinem Viertel herrscht seit Samstagnachmittag durchgehend Samstagsnachmittagsstimmung: Autos werden gewaschen, Nachbarn unterhalten sich, Kinder spielen Fußball und mit Murmeln auf der Straße. Das einzige, was mir fehlt, ist die Übertragung der Bundesliga-Schlusskonferenz, die diese Stimmung perfekt machen würde – am besten als Dauerschleife. Denn Putsch kann ich gerade nicht mehr hören.

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Kategorien: Mali

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