Warten auf Wade und andere Kleinigkeiten

Auch knapp zwei Tage später ist die mit Spannung erwartete Pressekonferenz von Abdoulaye Wade noch das Gesprächsthema schlechthin. Stundenlang haben wir Journalisten auf ihn gewartet, gehofft, dass er etwas Spannendes, etwas Historisches sagt. Ein kleines Skandälchen eben, wie wir es so gerne mögen.

Eine große Fehleinschätzung. Wer hätte auch ernsthaft vermutet, dass ein Machtmensch wie Wade tatsächlich freiwillig zurück tritt und auf die Stichwahl verzichtet. Zum Sieger konnte er sich wegen des großen internationalen Drucks ebenfalls nicht erklären lassen. Das hätte ihm im Senegal und der Welt wohl niemand geglaubt. Stattdessen die einigermaßen dünne Aussage, er halte eine Stichwahl für möglich und bei der bisherigen Auszählung der Ergebnisse würde er führen.

Eine zweite Runde ist am dritten Tag nach den Wahlen so gut wie unvermeidbar: Wade muss noch einmal ran (http://senegal.france24.com/2012/02/28/les-resultats-provisoires-du-premier-tour-au-senegal/), obwohl er genau das vermeiden wollte. Denn nun könnte sich die Opposition endgültig zusammen tun. Sie jubelt übrigens schon seit Sonntagnacht (http://www.taz.de/Stichwahl-in-Senegal/!88558/) und sieht sich als Sieger. Macky Sall könnte nun der neue Präsident im Senegal werden.

Gut für die Stimmung im Land ist es allemal. Denn es zeigt: Der alte Wade (er ist irgendwo zwischen 85 und 91 Jahre alt) kann nicht alles mit der einstigen Musterdemokratie machen, auch wenn er in der Vergangenheit wohl einiges versucht hat. Die Gerüchteküche brodelt jedenfalls. Trotzdem scheint die Demokratie noch zu funktionieren. Daran haben auch die Unruhen vor den Wahlen nichts geändert.

Was mich überrascht, ist das große Echo der internationalen Medien. Ich kann mich nicht erinnern, im vergangenen Jahr bei irgendeiner anderen Wahl in Westafrika so viele deutschsprachige Journalisten getroffen zu haben. Für den Kontinent ist das offensichtlich gut – vor allem mit dem momentanen Verlauf. Friedliche Wahlen – ein gutes Zeichen für Demokratien in Afrika. Andererseits stellt sich die Frage, was danch passieren wird. Werden Wahlversprechen überhaupt eingehalten? Darauf schaut ein halbes oder ein Jahr später niemand mehr. Und eigentlich ist das noch viel wichtiger.

 

Advertisements

Kategorien: Senegal

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: