Westafrikas große und kleine Katastrophen

In den vergangenen Wochen bin ich oft gefragt worden, warum sich denn auf meinem Blog nichts mehr tut und ob in Westafrika nichts mehr passieren würde. Leider ist das genaue Gegenteil der Fall. Zwischen Lagos und Dakar passiert derzeit mehr als mir lieb ist, und es fällt einigermaßen schwer, alle Krisengebiete einigermaßen im Griff zu haben.

Das einzige Problem ist seit Wochen das Internet, das mehr als schleppend läuft und  mir das Arbeiten, aber auch die Pflege des Blogs erschwert. In Benin waren es die Nachwehen eines Großfeuers bei der Post, was dafür sorgte, das wir vier Tage lang offline waren. Ein Gefühl, das ich noch aus dem vergangenen Jahr gut kenne. So hartnäckig ich auch den Knopf mit dem Verbindungssymbol drücke: Der Verbindungsbalken bewegt sich keinen Milimeter.

Auch in Dakar ist es sehr wechselhaft und schwankt zwischen astronomisch schnell im Stadtzentrum und katastrophal in in meinem kleinen Hotel Espace Thialy (http://www.cauris.sn/thialy/). Das ist auch der einzige Nachteil des Hotels. Ansonsten ist es wunderschön ruhig und grün, eine kleine Oase in den sonst so staubigen Vororten. Nur tatsächlich genießen kann ich es nicht, da in der vergangenen Woche viel zu viel passiert ist.

Für den Senegal ist es eine noch nicht erlebte Situation: Der Wahlkampf ist – aus senegalesischer Sicht – von massiven Unruhen begleitet worden: wütende Demonstranten, die Steine werfen, ärgerliche Polizisten, die mit Tränengas zurück feuern, einer Opposition, die freie und faire Wahlen seit Tagen nicht mehr für möglich hält, nachzulesen in der Online-Ausgabe der taz (http://www.taz.de/!88096/ und http://www.taz.de/!88371/ sowie auf den Seiten des Domradios (http://www.domradio.de/aktuell/80074/allianz-der-religionen.html).

Der Ärger vieler Menschen ist nur allzu verständlich. Abdoulaye Wade soll in den vergangenen Jahren vor allem eins getan haben: Er soll zugesehen haben, wie sich seine Besitztümer vermehren und wie er Sohn Karim als seinen Nachfolger etablieren kann. Immer unverständlicher wird für mich allerdings die Opposition. Von den großen Gesten und der partei- und zivilgesellschaftübergreifenden Bewegung M23 ist hier in den vergangenen Tagen nicht mehr viel übrig geblieben. Stattdessen der hilflose Versuch, die Wahlen sollen verschoben werden. Das hätte man sich früher überlegen können, spätestens als Ende Januar klar wurde: Der alte Mann darf noch einmal antreten, wie viel Geld dafür auch immer geflossen ist.

Das werden wir heute Abend sicherlich nicht mehr erfahren, wohl aber die ersten Ergebnisse. Dann sollte auch feststehen, ob es eine Stichwahl gibt. Diese wäre die letzte Chance der Opposition.

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Kategorien: Senegal

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