Boko Haram, mal wieder

Ausgebrannte Autos in Nordnigeria

Am Wochenende hat Boko Haram wieder zugeschlagen. Im Bundesstaat Yobe sowie im eigentlichen Sekten-Hochquartier Maiduguri sind vermutlich an die 70 Menschen ums Leben gekommen (Religiöse Gewalt fordert Dutzende Tote: www.taz.de/Anschlag-in-Nigeria/!81361/), vielleicht auch viel mehr. Neue Warnungen gibt es bereits. Nach Informationen verschiedener Tageszeitungen – sie zitieren aus einer Mitteilung der US-amerikanischen Botschaft – könnten demnächst die großen Hotels in der Hauptstadt Abuja zur Zielscheibe der Sektenmitglieder werden.

Nach den Anschlägen auf das Hauptquartier der Polizei im Juni und die Vereinten Nationen Ende August erscheint das fast konsequent. Im Hilton, im Nicon Luxury und im Sheraton halten sich die Mächtigen und Reichen auf. Es ist Treffpunkt von Diplomaten, hochrangigen Politikern und der westlichen Welt. Dabei hieß es lange in Abuja, dass alle Großveranstaltungen mit internationaler Präsenz im Hilton stattfinden müssten. Nirgendwo sonst seien die Sicherheitsvorkehrungen besser als dort, nirgendwo sonst könnten die Teilnehmer besser geschützt werden. Doch dieser Aussage traut niemand mehr.

Der Präsident im Kofferraum

Dabei sind schon vor gut einem Jahr die Sicherheitsvorkehrungen für das Hilton Hotel verschärft worden. Anlass damals waren die Anschläge während der Unabhängigkeitsfeiern – ausgeführt von einer Rebellengruppe aus dem Nigerdelta. Nach dem 1. Oktober 2010 durfte kein grünes Taxi mehr auf das Gelände, wurde jede Kofferraumklappe geöffnet. Mittlerweile gibt es nur noch einen Ein- und Ausgang. Der zweite ist dich gemacht worden. Nehme ich diesen als Fußgängerin, schaut das Wachpersonal halbherzig in meine Tasche. Dort, wo die Sicherheitsvorkehrungen nicht so streng sind, werde ich gerne gefragt, ob ich irgendetwas im Kofferraum hätte. Ich bin versucht zu antworten: „Klar, ich habe gerade Goodluck Jonathan entführt.“ Aber den Zorn des Wachpersonals möchte ich nicht auf mich ziehen.

Es bleibt also alles, wie es ist. Das, was derzeit in Nigeria passiert, fühlt sich an wie eine lange Wiederholungsschlaufe. Die Tatorte sind austauschbar, die Anzahl der Opfer auch. Doch das Grundgerüst bleibt gleich und auch die Reaktionen auf die Anschläge. Jeder bedauert sie, jeder verurteilt sie, jeder sagt, Terrorismus müsse mit aller Kraft bekämpft werden. Und dann kommen die Gründe und das, was tatsächlich hinter Boko Haram steckt: Armut und Benachteiligung im Norden, keine Arbeit, kaum Infrastruktur, keine Perspektiven, stattdessen junge, herumlungernde Menschen, die für ein bisschen Geld und die Hoffnung, den Märtyrer-Tod sterben zu können, zu allem bereit sind. Manchmal denke ich, ich brauche gar niemanden mehr anrufen. Ich kenne die Antworten doch schon.

Die Terroristen und die Engelszungen

Sie werden sich nicht ändern – wenn die Regierung nichts tut. Sie verspricht zwar, den Terrorismus nachhaltig bekämpfen zu wollen. Mal mit aller Macht, in dem sie Sicherheitskräfte und die Spezialeinheit „Joints Task Force“ in den Norden schickt. Dann wieder will sie mit Engelszungen auf die Terroristen einreden, ein runder Tisch, eine mögliche Amnesty für all jene, die ihre Waffen abgeben. All das scheint möglich zu sein – nach wie vor. Uns zeigt es eins: Die Regierung scheint keine Lösung zu haben, ist überfordert mit der Situation. Deshalb wird der Anschlag in Damaturu nicht der letzte gewesen sein. Und folgt man der Regelmäßigkeit der großen, Nachrichten trächtigen Attacken, die etwa alle zwei Monate stattfinden, könnten es Ende des Jahres die nächste stattfinden. Weihnachten wäre wohl eine gute Gelegenheit.

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Kategorien: Nigeria

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