Jubel und eine skeptische Opposition

Anhänger von Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf fahren in einem geschmückten Auto durchdie Straßen

Die Nachricht hat in Liberia eingeschlagen wie die Bombe: Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf erhält den Friedensnobelpreis 2011. Damit, dass die Auszeichnung an die liberianische Präsidentin geht, die in vier Tagen zum zweiten Mal zur Wahl antritt, hat am Freitagmorgen in der liberianischen Hauptstadt Monrovia niemand gerechnet.

James Dorbor Jallah, bis August stellvertretender Minister für Planungsvorhaben, kann es nicht fassen, als er von der Auszeichnung für die Präsidentin hört. „Ist das wirklich wahr?“, ruft er. „Ich kann das gar nicht glauben. Das ist toll. Das ist ein so gutes Zeichen für Liberia. Ich freue mich riesig für sie. Sie hat es verdient.“

Nach Meinung Jallahs hat die Präsidentin viel für das Land getan. Sie habe die Wirtschaftsentwicklung in dem kriegsgebeutelten Staat vorangetrieben, ausländische Investoren nach Liberia geholt und dafür gesorgt, dass sich der Staatshaushalt in den vergangenen Jahren fast versechsfacht habe. Eines bedauert Jallah: „In unserem Land ist die Analphabetenrate extrem hoch. Die meisten Menschen werden gar nichts davon erfahren, weil sie keine Zeitung lesen können.“ Deswegen wird die Auszeichnung seiner Einschätzung nach auch die Wahlen am kommenden Dienstag nicht besonders beeinflussen. „Die meisten Leute werden das hier gar nicht miteinander in Verbindung bringen.“ Aber das trübt Jallahs Jubel kaum: „Das ist ein richtig guter Tag für Liberia.“

Von der Auszeichnung überrascht ist auch Juli Endee. Sie trägt den Titel einer Ehrenbotschafterin, weil sie sich seit Jahren für friedensbildende Maßnahmen in ihrer Heimat einsetzt. Obwohl sie sich aus der Politik heraushält, hat Ellen Johnson-Sirleaf für sie eine große Bedeutung. „Sie hat uns Frauen gezeigt, was wir erreichen können. Es ist extrem wichtig, eine Frau als Präsidentin zu haben. Sie motiviert uns.“ Allerdings sei die Präsidentin längst nicht die einzige, die sich einsetze. Im Land selbst gebe es unzählige Menschen, die nach dem schrecklichen Bürgerkrieg, der 2003 endete, viel für den Frieden getan hätten.

Mit Leymah Gbowee wird gleich eine zweite Liberianerin geehrt. Auf den Straßen Monrovias kennen viele Menschen die Preisträgerin allerdings nicht. „Leymah Gbowee? Wer soll das sein“, fragt zum Beispiel ein Verkäufer von Handykarten. „Den Namen habe ich noch gar nicht gehört.“

Ihr Name interessiert auch die vielen Anhänger der Oppositionspartei „Congress for Democratic Change“ (CDC) nicht. Seit Freitagmorgen ziehen Hunderte von ihnen durch Monrovia. In weißen Wahlkampf-T-Shirts fordern sie die Bevölkerung auf, nicht für „Mama Ellen“ zu stimmen, wie die Präsidentin gern genannt wird, sondern für Winston Tubman. Die Kundgebung war schon lange geplant, doch die Anhänger sind wütend. „Wofür ist die Präsidentin überhaupt ausgezeichnet worden?“, fragt sich Alexander Diallo, der mit einer Trillerpfeife durch die Hauptstraße zieht. „Ihre Wahlversprechen hat sie jedenfalls nicht eingehalten.“

Katholische Nachrichten-Agentur vom 07. Oktober 2011.
Advertisements

Schlagwörter:, ,

Kategorien: Liberia

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: