Unruhen in Sambia? Der Prophet weiß mehr

Prophet T.B. Joshua glaubt an Wunder, heilt HIV-Infizierte und prophezeit Flugzeugabstürze.Sambia scheint ganz schön nervös zu sein. Grund dafür sind im Moment nicht nur die langen Schlangen vor den Wahllokalen, in denen am Dienstag 5,2 Millionen registrierte Wähler entschieden können, ob das Land im südlichen Afrika weiter von Rupiah Banda oder von dessen ärgsten Kontrahenten Michael Sata regiert wird. Keine Frage: Es ist eine spannende Abstimmung, erhielt Sata doch beim letzten Duell vor vier Jahren gerade einmal 35.000 Stimmen weniger.

In Sambia wird noch etwas ganz anderes spekuliert: Kommt es nach den Wahlen wohl zu blutigen Unruhen? Zwar mögen sich die beiden Kontrahenten nicht besonders und haben sich im Vorfeld regelmäßig scharf kritisiert. Doch Ausschreitungen traut man den Anhängern nicht so richtig zu.

Nur einem geht es da ganz anders: Prophet T.B. Joshua, der – wen wunder es – aus Nigeria stammt und in Lagos die riesige Kirche The Synagogue, Church of all Nations (SCOAN, www.scoan.org) betreibt. Vor einigen Jahren hatte ich selbst die Ehre, den Propheten zu treffen. Es hat gedauert, bis er mich in seinen neuen Kirchenbau mit den Buntglasfenstern und den Hotelzimmern im ersten Stock ließ. Zwei mal hat er den Termin verschoben. Als es endlich klappte, musste ich verschiedene Sicherheitskontrollen passieren. Während des Interviews standen zwei Bodyguards neben ihm. Gefallen hat es ihm aber offensichtlich. Zum Schluss kramte er 300 US-Dollar aus seiner Schreibtischschublade, die ich dankend ablehnte und anschließend von einem nigerianischen Kollegen böse Blicke erntete. 300 Dollar sind für ihn ein Monatsgehalt gewesen.

„Ich bin’s nicht. Gott ist es.“

Damals kümmerte sich Joshua, der einen eigenen TV-Sender betreibt, hauptsächlich um HIV-Infizierte und deren Heilung. „Schade, dass Du am Wochenende nicht dabei warst. Da sind sie wieder in meine Kirche gepilgert“, sagte er mir. Er selbst heilt übrigens nicht. „Das ist Gott“, sagt er knapp, wenn man ihn auf seine Künste anspricht. Schmücken mag er sich aber trotzdem mit den Wundern, die auf seiner Internetseite eine eigene Kategorie haben. Um glaubwürdig zu sein, sind die Fotos mit den Testergebnissen ganz wichtig. Der erste ist positiv, der zweite negativ (ich gebe zu, mitunter ist die Bildqualität so schlecht, dass sich das Ergebnis nur erahnen lässt). Joshua hat mal wieder ein Wunder verbracht.

Im Moment scheint er sich allerdings auf Weissagungen spezialisiert zu haben, mit denen er in Sambia für Unruhe gesorgt hat. Nicht nur Unruhen sollte es geben, sondern auch einen Regierungswechsel. Die Panik war da. Augenzeugen wollen gesehen haben, dass in einigen Geschäften Menschen palettenweise Lebensmittel kaufen. Bischof Simon Chihana, Präsident des International Fellowship of Christian Churches (IFCC), hat laut der Times auf Zambia (www.times.co.zm/) aber versucht, für etwas Ruhe zu sorgen und beteuert: Prophezeit hätte Joshua gar nichts, er wünsche dem Land lediglich den Frieden.

Trotzdem ist seine Liste seiner Weissagungen lang. Fein säuberlich aufgelistet sind sie ebenfalls auf der Homepage zu finden. Besonders beliebt scheinen Flugzeugabstürze zu sein. Aber auch vor Politikern macht T. B. Joshua nicht halt. Anfang des Jahres hat er die Unruhen in Libyen schon kommen sehen, sich schützend vor Gaddafi gestellt und alle Anhänger aufgefordert, für ihn zu beten. Gott sei es schließlich, der den Königen die Macht gibt . Das wütende Volk hat dort nicht mitzumischen.

Bei Anruf Mord

Wie viel Joshua mit seinen Prophezeiungen verdient, weiß niemand genau. Wenn man seine Kirche in Lagos besucht, kann man aber sicher sein: Das Geschäft muss gewaltig boomen. Ohnehin funktioniert das Geschäft mit der afrikanischen Angst gut. So musste die Regierung vor einer Woche verbreiten lassen, dass ein Handy niemanden umbringen kann. Die Sorge war allgegenwärtig, und viele Menschen befürchteten, auf der Stelle zu sterben, wenn sie einen Anruf mit der Nummer 09141 annehmen würden.

Vermutlich werden die Wahlen in Sambia nun doch so harmlos ausgehen, wie die merkwürdigen nigerianischen Telefonanrufe. Ansonsten lade ich mich bei T.B. Joshua ein und lasse mir prophezeien, wann diese verfluchte Regenzeit endlich aufhört.

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Kategorien: Sambia

One Comment - “Unruhen in Sambia? Der Prophet weiß mehr”

  1. Katrin Gänsler
    22. September 2011 um 20:06 #

    Zwei Tage später: Wie schade, dass Prophet T.B. Joshua seine Prophezeiung zurück gezogen hat. Denn die lokalen Medien berichten nun doch von Ausschreitungen und ausgebrannten Autos. Freilich versinkt das ganze Land noch nicht im Chaos. Aber so friedlich wie erhofft sind die Wahlen doch nicht geworden.

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