Ein neuer Bischof in Nigeria weckt Hoffnungen

Im Nigerdelta in Nigeria wird Gas abgefackelt.

„Ganz ehrlich: Es ist ein Schock gewesen“, gibt Matthew Hassan Kukah zu. Am Donnerstag wird der katholische Priester neuer Bischof von Sokoto, einer muslimisch geprägten Region im äußersten Nordwesten Nigerias. „Darauf kann man sich nicht vorbereiten, nicht einmal in seinen kühnsten Träumen.“ In seiner Heimat ist der 59-Jährige einer der prominentesten Geistlichen, ein Kritiker der Reichen und Mächtigen. Diese Rolle will er auch als Bischof weiter ausüben.

Kukah, 1976 zum Priester geweiht, war zuletzt Generalvikar und Gemeindepfarrer in der Erzdiözese Kaduna. Einen Namen hat er sich auf politischer Ebene gemacht. 2005 arbeitete er für die nationale Konferenz für politische Reformen; von 2007 bis 2009 war er Mitglied des Komitees zur Wahlreform. Den höchsten Bekanntheitsgrad erhielt er jedoch als Vorsitzender des Shell-Ogoni-Versöhnungskomitees. Seit 2005 kämpft es für bessere Lebensbedingungen im ölreichen Ogoniland im Nigerdelta – und dafür, dass der Ölriese Shell und die nigerianische Regierung für die Umweltverschmutzungen in die Verantwortung genommen werden.

Umweltfrevel aufgedeckt

Seinen größten Triumph als Vorsitzender erlebte Kukah am 4. August, als UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, seinen mehrere hundert Seiten starken Bericht über die Region vorstellte. Die unabhängige Studie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, zeigt massive Umweltverschmutzung auf und fordert die Regierung unverzüglich zum Handeln auf. Kukah sagte damals: „Heute wird die nigerianische Elite, die unsere Ressourcen ausbeutet, endlich zur Rechenschaft gezogen.“

Doch nicht nur in Sachen Umweltverschmutzung ist die Elite Kukah ein Dorn im Auge. Kritisch ist er nicht nur mit Wirtschaftsbossen, sondern auch mit der politischen Klasse. „Die meisten schützen nur ihre eigenen Interessen, aber nicht die Menschen“, sagt er. So täten sie nichts dafür, dass Hochschulabsolventen Jobs bekämen und dass sich die Lebensbedingungen im Land besserten. Genau diese Perspektivlosigkeit sei ein Nährboden für radikale Entwicklungen wie die islamistische Sekte „Boko Haram“.

Dass die Gruppe Anhänger gewinnt, hat mit sozioökonomischen Gründen zu tun. Außerdem gibt es in Nigeria keine politische Opposition. Diese Funktion kann leicht von radikalen Gruppen übernommen werden“, betont der künftige Bischof. Religiöser Fanatismus sei aus seiner Sicht ein Teilaspekt des Problems. Er warnt vor einer gefährlichen Entwicklung: „Sowohl in Moscheen als auch in Kirchen gibt es viele Scharlatane, die Hass predigen und ihre Anhänger anstacheln.“

Einsatz für Aussöhnung

Dagegen aktiv einzuschreiten, ist für Matthew Hassan Kukah ein wichtiges Ziel. Bislang hat er sich in seiner Heimatstadt Kaduna für einen Dialog zwischen Christen und Muslimen eingesetzt. Im muslimisch geprägten Sokoto will er seinen Kurs halten. Einen prominenten Mitstreiter sollte er schon gefunden haben: Die Stadt Sokoto ist der Sitz des Sultans, des spirituellen Führers der nigerianischen Muslime. Sultan Muhammed Sa’adu Abubakar gilt bei Muslimen wie Christen gleichermaßen als intelligenter Vermittler, der das Gespräch sucht und islamistische Tendenzen strikt ablehnt und Anschläge von „Boko Haram“ verurteilt.

„Wir fühlen ähnlich“, sagt Kukah, der den Sultan erst jüngst beim Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel getroffen hat. Daher ist er sich sicher: „Wir werden uns beide für ein friedliches Miteinander in Nigeria einsetzen.“ Er verspricht: Auch als Bischof wolle er die Entwicklungen in seiner Heimat genauso kritisch begleiten wie bisher. „Mein Verstand bleibt derselbe, meine Augen, Ohren und mein Mund auch“, sagt Kukah. Und: „Vielleicht kann ich künftig noch mehr erreichen.“

Katholische Nachrichten-Agentur (www.kna.de) vom 06. September 2011.

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