Sechs Minuten Dunkelheit

Stromversorgung, Stromleitung in Lagos, Nigeria, powercuts

Zugegeben: Es ist arrogant. Aber heute Nachmittag hat mir eine Überschrift aus Ostwestfalen-Lippe den Kaffee versüßt. „Altkreis sechs Minuten ohne Strom“ steht dort (http://www.nw-news.de/lokale_news/luebbecke/luebbecke/4887538_Altkreis_sechs_Minuten_ohne_Strom.html). Lebensbedrohlich hört sich das zwar noch nicht an, aber immerhin schafft es diese Information zum lokalen Aufmacher. Jede deutsche Regionalzeitung hätte ähnlich gehandelt: Gewitter, Regen, kein Strom, darüber spricht man. Eine Schlagzeile, die Betroffenheit herstellt.

Meine würde lauten: „Sensation: Stromausfall dauert nur sechs Minuten“. Nigeria bekommt sein Energieproblem endlich in Griff.  Das hat uns Präsident Goodluck Jonathan unlängst versprochen als er vor gut einer Woche ankündigte, die Stromversorgung in Nigeria solle bis 2015 stabil sein (http://businessnews.com.ng/2011/08/17/stable-electricity-in-nigeria-before-2015-goodluck-jonathan/). Damit würde er vielen Millionen Menschen einen echten Herzenswunsch erfüllen, denn vor den Wahlen haben sie nicht etwa gefordert, die Problem-Sekte Boko Haram endlich hinter Gitter zu bringen oder Ausbildung für alle zu schaffen. Nein, wenn der neue Präsident nur dafür sorgen könnte, dass es endlich eine beständige Stromversorgung gibt, würde das schon reichen. Ein bescheidener Wunsch, zeigt er doch gleichzeitig, wie frustrierend die ständige Dunkelheit ist (http://www.liborius.de/nachrichten/ansicht/artikel/schwester-ch.html).

Nach ein paar Wochen in der Düsterheit ist Kerzenschein nämlich nicht mehr schön und romantisch, sondern nur noch lästig. Dazu kommt die bange Frage, wann er wohl zurück kommt. Es ist zugleich die einzige Sicherheit, ja, irgendwann gibt es wieder Strom. Ob das allerdings nach einer Stunde, einem Tag oder einer Woche geschieht, weiß niemand. Strom – der große Unbekannte.

In Cotonou haben wir das Problem hingegen selten. Das viel ärmere Land (zugegeben wohnen hier nur halb so viele Leute wie alleine in Lagos) ist hell erleuchtet. Seit einer Woche quält uns dafür etwas anderes: die Unberechenbarkeit des Wasserhahns. Am Samstagabend fing es an. Keiner meiner vier Hähne funktionierte mehr, und der Sonntag brachte keine Verbesserung. Auch der Montag und der Dienstag nicht. Ab und zu tröpfelte es zwar ein bisschen, aber nicht mehr. Das Tröpfeln hat mir immerhin eine Sorge genommen. Dieses Mal lag es nicht an mir. Vor gut vier Wochen ging auch gar nichts, der Grund: eine versehentlich nicht bezahlte Wasserrechnung in Höhe von knapp zwei Euro hat zum Abstellen geführt. Zwei Tage und viele Anrufe hat es mich gekostet, bis das Problem endlich wieder behoben war.

Aber ich bin es nicht gewesen. Dennoch hat das Problem am Dienstag sogar meine sonst so ruhige Putzfrau auf die Palme gebracht (von denen haben wir schließlich genug). Übel gelaunt saß sie in meiner Wohnung, konnte weder Wäsche waschen noch spülen. Allerdings bot sie gleich an, mir eine 50-Liter-Tonne zu kaufen. Für Tage wie diese. Heute hat sie mir die helle Tonne, die nun in meinem Badezimmer steht, mitgebracht. Unnötig zu erwähnen, dass wir seit gestern Abend wieder Wasser haben, oder?

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Kategorien: Nigeria

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