Von wegen mehr Sicherheit

Präsident Goodluck Jonathan höchstpersönlich hat mir heute Morgen meinen ersten Kaffee verhagelt. Vielen Dank auch! Die nigerianische Presse ist voll davon: Er möchte die Sicherheitskontrollen an den Grenzen verschärfen, um so aktiver gegen Terrorismus und Verbrechensbekämpfung vorzugehen. Gesagt hat er das gestern in Abuja, als ihn Mahamadou Issoufou, Präsident des Nachbarlandes Niger, besucht hat.

Der Ansatz hört sich ja gut an, vor allem die Terrorismusbekämpfung. Nigeria macht der organisierte Terrorismus dank Boko Haram schon seit Monaten zu schaffen (http://www.cafe-europe.info/alle_texte/nigeria-am-tisch-mit-den-terroristen/28306). Doch mehr als ein „wir kümmern uns darum“ und etwas später „wir setzen eine neue Kommission ein, die Mitte August erste Ergebnisse präsentieren muss“ hat es bislang nicht gegeben. Es sind leere Worte, wobei es durchaus Experten im Land gibt, die den einen oder anderen hilfreichen Tipp hätten. Nein, nicht alle laufen lassen, sondern ebenfalls Eingeständnisse von Seiten der Regierung machen. Doch diese zeigt vor allem eins: eine ziemliche, selbst verschuldete Hilflosigkeit, aus der man nun nicht mehr heraus kommt.

Und statt es sinnvoll anzugehen, fällt unserem (ja, soweit bin ich schon…) Präsidenten nichts besseres ein als die Grenzkontrollen zu verschärfen. Ich sehe es schon kommen und denke vor allem an die Horrorgrenze Seme-Border (auch wenn ich Wikipedia nicht besonders mag, empfehle ich nun doch diesen Link: http://en.wikipedia.org/wiki/Seme_Border), die Nigeria von Benin trennt. Was bringen Sicherheitskontrollen, wenn Beamte auf beiden Seiten dermaßen korrupt sind? Mal wieder selbst erlebt vor zwei Wochen, als zwei Mitarbeiter damit drohten, jede einzelne Tasche zu durchwühlen, wenn der Busfahrer nicht sofort 8000 Naira – also knappe 40 Euro – zahlt. In Nigeria ist es übrigens – verfolgt man die aktuelle Mindestlohndebatte – fast das Einkommen für zwei Wochen, das nur nebenbei erwähnt.

Außerdem weiß hier jeder, dass es viel einfacher ist, mit einem eigenen PKW die Grenze zu passieren. Busse werden extra gefilzt. Doch wer 300 Ananas im Kofferraum und ein bisschen Kleingeld in der Tasche hat, kann ziemlich sicher sein, dass er nicht die ganze Ladung ausräumen muss. Ob unter dem Obst nun Waffen und andere Schmuggelware liegt, wird für die Grenzbeamten das ewige Geheimnis bleiben.

Verschärfte Grenzkontrollen kann also eigentlich nur eins bedeuten: Die Beamten dürfen nicht mehr korrupt sein, von jedem Reisenden einen paar Naira-Scheinchen erwarten, um dann alle Augen zuzudrücken. Dann wäre schon viel getan. Doch so lange das nicht gegeben ist (und ich sehe es auch in den kommenden Jahren nicht), kann Präsident Jonathan noch so häufig verschärfte Grenzkontrollen ankündigen. Es bleibt eine zahnlose Forderung, die niemanden ernsthaft einschüchtern und den Terrorismus im Land erst recht nicht bekämpfen wird.

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Kategorien: Nigeria

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