Südafrika nach der Fußball-WM: Leere Glanzstadien und viel Armut

Pretoria – Vor einem Jahr fieberte ganz Südafrika der Fußball-Weltmeisterschaft entgegen, die am 11. Juni angepfiffen wurde. Der Beginn des größten Sportereignisses 2010 war zugleich Startschuss unzähliger sozialer Projekte, die das Leben am Kap der Guten Hoffnung nachhaltig verbessern sollten. Doch ein Jahr später ist der Fußballzauber in weite Ferne gerückt.

Vergangenes Jahr war der „Burgers Park“ im Herzen der Hauptstadt Pretoria eine riesige Fanmeile namens „Better World Village“. Dort brachte die „Tshwane Leadership Foundation“, ein Zusammenschluss verschiedener Kirchen im Stadtzentrum, einen Monat lang die WM zu all jenen, die sich keine Tickets leisten konnten und nicht mal in die Nähe der Stadien kamen. Damit auch sie WM-Stimmung erleben konnten, schuf die Gruppe Spielangebote für Kinder, veranstaltete tägliche Diskussionsforen und ermöglichte kleinen Händlern, Süßigkeiten, Südafrika-Souvenirs und heimische Gerichte zu verkaufen. Doch die Nachwehen der WM sind für die meisten Südafrikaner kaum noch Thema, sagt Stephan de Beer, einer der Organisatoren von damals: „Das Leben geht weiter.“

Ohnehin hätten sich die WM-Hoffnungen der Menschen nur teilweise erfüllt. Nicht Tickets waren es, was sich die meisten wünschten, sondern endlich einen Arbeitsplatz zu finden. Doch nach Abpfiff war häufig Schluss mit einem geregelten Einkommen. De Beer zieht trotzdem eine positive WM-Bilanz. Denn seine Organisation hat während des Fußballturniers unter anderem mehrere Projekte für Jugendliche gestartet, etwa eine Kunst- und eine Sportakademie. Sie haben überlebt und werden nun an drei Schulen in der Stadt angeboten. Stephan de Beer freut sich aber noch auf etwas anderes: Ende August wird im „Burgers Park“ wieder groß gefeiert – ein Fest für alle Menschen, die sich weder Kinokarten noch Restaurantbesuche oder neue Kleidung leisten können.

Auch Schwester Aine Hughes beobachtet die Entwicklung seit dem Ende der WM sehr genau. „Ich spüre eine steigende Unzufriedenheit mit der Regierung“, sagt die katholische Ordensfrau, die für die südafrikanische Caritas arbeitet. Diese zeige sich durch die vielen, immer gewalttätigeren Proteste. Die Aggressionen, so erlebt sie, richten sich häufig gegen Ausländer, die schon in der Vergangenheit gern zu Sündenböcken gemacht worden seien.

Dennoch: Die WM habe zu einer Imageverbesserung Südafrikas beigetragen, meint Schwester Aine. Die Infrastruktur habe sich verbessert. Dazu präsentieren sich viele Flughäfen den Reisenden nun neu und modern, die eigens gebauten Stadien strahlen. Doch der Glanz trügt. Viele lokale Fußballclubs können es sich nicht leisten, in den schicken Arenen zu kicken. Die Gebühren sind schlicht zu hoch. Völlig vergessen wurde laut der Ordensfrau zudem die Entwicklung in ländlichen Regionen und den illegalen Siedlungen am Rande der Großstädte. „Dort gibt es nach wie vor weder Wasser noch Strom. 90 Prozent der Menschen sind arbeitslos.“

„Der positive Schub ist nicht ausgenutzt worden“, meint Werner Böhler, der in Johannesburg das Büro der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung leitet. Grund dafür seien die politischen Streitereien gewesen, die nach Ende der WM schnell wieder die öffentlichen Debatten bestimmten. Trotzdem freut sich Böhler: Kapstadt sei grüner geworden. Dafür hatte sich seine Stiftung eingesetzt und einen Plan für eine möglichst umweltfreundliche WM ausgearbeitet. Ein dickes Lob gab es dafür nun auch von der FIFA, die den sogenannten „Green Goal Action Plan“ als mustergültig bewertete.

Katholische Nachrichten-Agentur vom 08. Juni 2011
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Kategorien: Südafrika

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