Nigeria und Indien im Kochtopf

Seit mittlerweile neun Wochen ziehe ich mehr oder weniger durch Nigeria. Ich wohne bei Freunden mit, lade mich als Coachsurferin ein (www.couchsurfing.org), schlafe selten in Hotels und bin vor allem eins: immer wieder begeistert von der Herzlichkeit und Offenheit meiner Gastgeber. Manchmal finde ich sie fast ein bisschen beschämend, etwa als ich mal wieder in Abuja war. Dort ließ mich ein Freund, Keerthi heißt er, nicht nur auf seinem Sofa übernachten, sondern räumte gleich für mich sein Bett und zog sich selbst auf die nach Leder stinkende Coach zurück. Es war mir peinlich, so viel Luxus muss doch nicht sein. Doch Keerthi strahlte mich an und sagte: „Bei uns in Indien ist der Gast unser Gott.“ Indien ist eben ein Land der Superlative. König sein ist zu wenig, dann lieber gleich Gott.

Im Moment bin ich in Kano und trage wieder den Beinamen Königin – obwohl Emira in dieser durch und durch muslimisch und traditionell geprägten Gesellschaft wohl besser passen würde – gäb es denn überhaupt die weibliche Form. Meine Gastgeber in Kano stammen ebenfalls aus Indien und sind unglaublich freundlich und zuvorkommend.  Der gefüllte Kühlschrank gehört mir, ständig gibt es eine neue Sorte indischer Snacks.

Ganz besonders angetan hat es mir allerdings das indische Essen, das dreimal täglich auf dem großen Tisch im Wohnzimmer steht. Chapati, Daal, Raita und Reis, alles ist da. Für die Zubereitung sind sie allerdings nicht selbst zuständig, die hat stattdessen Patricia übernommen.

Unschwer zu erkennen, dass sie nicht Inderin, sondern Nigerianerin ist. Eine ruhige Person, die am liebsten einen kleinen Knicks macht, wenn sie den Kaffee bringt und dann vorsichtig fragt, ob es auch noch Plätzchen sein sollen. Ein Lächeln hilft nicht. Sie bleibt verschlossen. Auch auf meinen Hinweis auf die außerordentlich gelungenen Pakoras reagiert sie nicht. Vermutlich zuckt sie innerlich angewidert zusammen.

Denn obwohl ihre Kochkünste vermutlich locker mit jeder indischen Standard-Köchin mithalten könnten, findet sie das Essen fürchterlich. Sie musste die Zubereitung bei ihrem früheren Arbeitgeber, einer indischen Familie, lernen. „Einfach, wenn man die richtigen Zutaten und Gewürze hat“, findet sie. Auf ihrem eigenen Tisch würden die Currys jedoch nie laden. „Das Zeug mag ich einfach nicht“, sagt sie, schüttelt unverständlich den Kopf und fügt dann stolz hinzu: „Ich koche nigerianisch.“ Wie groß meine Freude über ihre Kochkünste ist, kann sie folglich nicht nachvollziehen. Denn das nigerianische Essen hängt mir zum Hals heraus, wenn es überhaupt dort landet. Oft ist es so scharf, dass ich keinen Bissen schaffe. Am dritten Tag habe ich mich damit abgefunden, dass wir zwar auf einem Level liegen, aber nie auf einen Nenner kommen werden. Also bleibt nur eins: essen und genießen.

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Kategorien: Nigeria

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