Ein Hengst namens Hitler

Wie schön wäre es, wenn Namen tatsächlich nur Schall und Rauch wären. Sind sie leider nicht. Sie sind hübsch oder hässlich, charakterisieren, stecken ihre Träger in Klischee-Schubladen (kann der kleine Justin tatsächlich guter Schüler und die kleine Emma-Marie die größte Rabaukin sein?, http://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2010/319.html), lassen gute und schlechte Erinnerungen wach werden, sind Sammelbegriffe und mitunter sogar verboten. Adolf Hitler steht in Deutschland dabei an erster Stelle. Unmöglich, auch nur daran zu denken, diesen Namen – verbunden mit dem düstersten Kapitel der deutschen Geschichte – vergeben zu wollen.

In anderen Ländern wird das laxer gehandhabt. In den USA zum Beispiel, wo vergangenes Jahr ein vierjähriger Adolf Hitler unfreiwillig in die Schlagzeilen geriet. Nach der verweigerten Geburtstagstorte wurde den Eltern auch noch das Sorgerecht entzogen. Zwar nicht wegen des Namens, trotzdem war der kleine Adolf mal wieder in allen Zeitungen und kann in diesem Fall nun wirklich nichts dafür.

In Nigeria gibt es seit ein paar Tagen auch einen neuen Hitler. Es ist zwar kein Kind, sondern nur ein schöner, nervöser oder besser ganz schön nervöser Fuchshengst mit breiter Blesse und vier gestiefelten Beinen. Zu begutachten ist das Tier, das angeblich aus dem Tschad stammt und gerne mal nach hinten austritt, im Polo-Club von Abuja, wo es seit einer guten Woche auf neue Besitzer wartet. Und derweil haben sich die Stallburschen kurzerhand für den Namen Hitler entschieden.

„Habt Ihr etwa in der Schule gar nicht aufgepasst?“, möchte man sie anschreien, immer im Hinterkopf, wie häufig man selbst damals in allen Fächern den Nationalsozialismus behandelt hat, wie der Kino-Besuch des Hollywood-Streifens Schindlers Liste war und was die Großeltern erzählten – falls sie überhaupt gesprochen haben. Doch das würde vermutlich allerhöchstens zu einem müden Schulterzucken führen. Denn Adolf Hitler – diese Vorstellung haben offenbar einige Nigerianer – muss in Deutschland bis heute ein echter Volksheld sein. „Auf den seid Ihr doch bestimmt mächtig stolz!“ Entweder stolz, weil er doch die Autobahnen gebaut hat oder stolz, weil er mehrere Millionen Juden hat ermorden lassen. Weitreichende Erklärungen helfen wenig und werden höchstens mit einem unverständigen Kopfschütteln quittiert.

Nach dem fusselig geredeten Mund bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen: Wir wünschen Hengst Hitler, dass er bald neue Besitzer findet und einen neuen Namen bekommt. Das geht bei Tieren ja zum Glück einfacher als bei Kindern.

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Kategorien: Nigeria

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