Ein wachsames Auge

Am Samstag wählen rund 73 Millionen Nigerianer einen neuen Präsidenten. Damit die Abstimmung friedlich, fair und transparent verläuft, wachen an den Wahllokalen Beobachter – unter ihnen viele Katholiken, die das Caritas-Komitee für Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden entsandt hat.

Grace Osofodunrin hat samstags eine Menge zu tun. Schon am 2. und 9. April ist die junge Mutter frühmorgens aufgebrochen, um zu Wahlstationen rund um die nigerianische Hauptstadt Abuja zu fahren. Im einwohnerstärksten Land Afrikas findet noch bis zum 26. April ein Wahlmarathon mit gleich vier Terminen statt. Eigentlich hätten es nur drei sein sollen. Doch der Wahlauftakt am 2. April begann mit einem Debakel: Kurz nach Mittag musste der Vorsitzende der unabhängigen Wahlkommission INEC, Professor Attahiru Jega, die Parlaments- und Senatswahlen kurzerhand verlegen.

Stimmzettel kommen nicht an

Offiziell sagte Jega bei einer Pressekonferenz, an vielen Wahlstationen seien die Stimmzettel nicht angekommen. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass er die Notbremse zog, um Unregelmäßigkeiten und Manipulationen aus den eigenen Reihen zu verhindern. Davor haben viele Nigerianer große Angst. Ihnen stecken noch die Wahlen von 2007 in den Knochen, die von Gewalt, Einschüchterung und Betrug im großen Stil geprägt waren.

Umso größer ist die Bedeutung der diesjährigen Abstimmung. Grace Osofodunrin hat sich deshalb entschieden, als Beobachterin für den Demokratisierungsprozess aktiv zu werden. Am vergangenen Samstag, als endlich die Nationalversammlung mit ihren beiden Kammern, dem Repräsentantenhaus und dem Senat, gewählt wurde, war ihr erster Eindruck positiv. „An den Wahlstationen war die Atmosphäre friedlich.“ Probleme habe es nur mit Jugendlichen gegeben, die noch nicht 18 waren, aber trotzdem wählen wollten.

Ganz neu ist die Wahlbeobachtung für die Caritas nicht. Schon vor 1999, als Nigeria nach langer Militärherrschaft wieder eine zivile Regierung erhielt, hat sie den Prozess für freie und glaubwürdige Wahlen stets aktiv begleitet. „Als Katholiken sind wir ein Teil der Gesellschaft. Für uns ist es wichtig, dass die Regierung ihre Aufgaben erfüllt und sich um die Bevölkerung kümmert. Ansonsten wird die Last, die die Kirchen tragen, zu groß. Dann müssen wir uns um alles kümmern.“

Größtes Wahlbeobachterprojekt

Neu ist in diesem Jahr allerdings ein Schulterschluss: Die katholische Hilfsorganisation ist einer von vier Partnern des größten Wahlbeobachtungsprojektes, das es je in dem 150-Millionen-Einwohner-Land gegeben hat. Neben der Caritas gehören „Swift Count“, einem Bündnis nichtstaatlicher Gruppierungen, der muslimische Frauenverband, eine Rechtsanwaltsorganisation sowie eine freie Wahlbeobachtergruppe an. Technische Unterstützung gibt es vom Nationalen Institut für Demokratie (NID) in Washington.

Für Swift Count waren allein am vergangenen Samstag 762 Beobachter im Einsatz. Um standardisierte Ergebnisse zu ermitteln, mussten sie einheitliche Fragen beantworten. Die Antworten schicken sie per SMS nach Abuja, die dann mit einem eigens entwickelten Programm direkt ins Computersystem übertragen werden. Nicht alle Beobachter senden ihre Informationen zuverlässig. Manchmal finden sie kein Funknetz; manchmal wird eine Mitteilung schlicht vergessen.

Wenn die Nachricht von Grace Osofodunrin nicht ankommt, kann es gut sein, dass sie einen Kontrollanruf von Shetu Alfa erhält. Die Muslima nimmt für ihren Frauenverband an der Wahlbeobachtung teil; auch sie will ihren Beitrag für mehr Demokratie leisten. Dafür sitzt sie an den Wahltagen im großen Zentrum von Swift Count, wo zwischen all den Rechnern pausenlos Handys klingeln. „Es ist ein aufregendes Projekt, weil gleich mehrere verschiedene Gruppen zusammengekommen sind“, sagt Shetu Alfa und greift gleich wieder zu ihrem Handy. Noch fehlen einige Textnachrichten, die für zuverlässige Ergebnisse so wichtig sind.

Katholische Nachrichten-Agentur vom 13. April 2011
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Kategorien: Nigeria

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